(zuerst veröffentlicht bei Morgaine)
Zur Versachlichung haben schon oft naturwissenschaftliche Grundlagen beigetragen:
Man stelle sich zur Verdeutlichung ein Mobile vor, dessen Bestandteile in einem dynamischen Gleichgewicht zueinander sind, die auf äußere Einflüsse insgesamt, aber jedes für sich flexibel reagieren.
Es ist, da stimme ich Herrn kinomu zu, völlig verantwortungslos, einem Patienten zum Absetzen der Medikation zu raten, die ja entweder die Aufgabe hat ein "Zuviel" oder ein "Zuwenig" an Neurotransmittern auszugleichen:
Der Effekt ist ähnlich als ob man den Patienten würgt - nur daß in diesem Fall die Auswirkungen nicht so unmittelbar zu erkennen sind, sondern teilweise extrem verzögert einsetzen ....
Wie in allen Fällen, in denen eine Wirkung durch Gabe von Medikamenten erzielt werden soll gilt:
Keine Wirkung ohne Nebenwirkung!*
*(Nebenwirkung = unerwünschte, begleitende Wirkung,
die von der Hauptwirkung getrennt nicht auftreten kann.)
Daher ist die Gabe von Medikamenten immer eine Abwägung eben dieser Balance:
Erreicht man durch das Medikament eine Wirkung, die für den Patienten - unter Inkaufnahme der Nebenwirkung - eine Besserung gegenüber dem vorherigen Zustand bedeutet?
Ich plädiere für einen möglichst sparsamen Gebrauch von Medikamenten. Beschränkt auf Fälle, in denen andere Maßmahmen nicht oder nur unzureichend wirken. Dann aber nicht halbherzig, sondern in angemessener Dosierung und ausreichendem Intervall.
Bei psychischen Störungen - und da bin ich wieder am Ausgangspunkt angekommen - ist eine Medikation zum Wohle der Patienten unumgänglich, vor allem dann, wenn Patienten der Wirklichkeit entrückt sind und erst durch Medikation eine weitere Therapie gewährleistet ist, z.B. eine Gesprächstherapie.
Im übrigen rate ich den Zweiflern, jenen, die Psychopharmaka strikt ablehnen, sich einmal in der Medizingeschichte umzutun und über Elektroschocktherapie nachzulesen. Wenn sie dann immer noch nicht vom Nutzen einer Arzneimitteltherapie z.B. bei Schizophrenie überzeugt sind, rate ich als zweite Stufe des Erkenntnisgewinns zu einem Besuch in der Psychiatrie:
Dort werden selbst die hartnäckigsten Arzneitherapie-Gegner vom Saulus zum Paulus!
Zur Versachlichung haben schon oft naturwissenschaftliche Grundlagen beigetragen:
- Im Gehirn gibt es eine fein austarierte Balance zwischen - im wesentlichen - sieben Neurotransmittersubstanzen.
- Wie bislang gezeigt werden konnte, können geringfügige Schwankungen zwischen diesen Stoffen ausgeglichen werden.
- Wird jedoch ein Schwellenwert - verschieden hoch, je nach Substanz - über- oder unterschritten, gerät das System in ein Ungleichgewicht:
- Folge ist das, was als "psychische Störung" diagnostiziert werden kann ....
Man stelle sich zur Verdeutlichung ein Mobile vor, dessen Bestandteile in einem dynamischen Gleichgewicht zueinander sind, die auf äußere Einflüsse insgesamt, aber jedes für sich flexibel reagieren.Es ist, da stimme ich Herrn kinomu zu, völlig verantwortungslos, einem Patienten zum Absetzen der Medikation zu raten, die ja entweder die Aufgabe hat ein "Zuviel" oder ein "Zuwenig" an Neurotransmittern auszugleichen:
Der Effekt ist ähnlich als ob man den Patienten würgt - nur daß in diesem Fall die Auswirkungen nicht so unmittelbar zu erkennen sind, sondern teilweise extrem verzögert einsetzen ....
Wie in allen Fällen, in denen eine Wirkung durch Gabe von Medikamenten erzielt werden soll gilt:
Keine Wirkung ohne Nebenwirkung!*
*(Nebenwirkung = unerwünschte, begleitende Wirkung,
die von der Hauptwirkung getrennt nicht auftreten kann.)
Daher ist die Gabe von Medikamenten immer eine Abwägung eben dieser Balance:
Erreicht man durch das Medikament eine Wirkung, die für den Patienten - unter Inkaufnahme der Nebenwirkung - eine Besserung gegenüber dem vorherigen Zustand bedeutet?
Ich plädiere für einen möglichst sparsamen Gebrauch von Medikamenten. Beschränkt auf Fälle, in denen andere Maßmahmen nicht oder nur unzureichend wirken. Dann aber nicht halbherzig, sondern in angemessener Dosierung und ausreichendem Intervall.
Bei psychischen Störungen - und da bin ich wieder am Ausgangspunkt angekommen - ist eine Medikation zum Wohle der Patienten unumgänglich, vor allem dann, wenn Patienten der Wirklichkeit entrückt sind und erst durch Medikation eine weitere Therapie gewährleistet ist, z.B. eine Gesprächstherapie.
Im übrigen rate ich den Zweiflern, jenen, die Psychopharmaka strikt ablehnen, sich einmal in der Medizingeschichte umzutun und über Elektroschocktherapie nachzulesen. Wenn sie dann immer noch nicht vom Nutzen einer Arzneimitteltherapie z.B. bei Schizophrenie überzeugt sind, rate ich als zweite Stufe des Erkenntnisgewinns zu einem Besuch in der Psychiatrie:
Dort werden selbst die hartnäckigsten Arzneitherapie-Gegner vom Saulus zum Paulus!
angemessene dosierung
ist bei psychopharmaka aber nicht ganz einfach herauszufinden. die "verträglichkeit" kann ebenfalls nur individuell erlebt/erlitten werden ...und das problem beginnt vorher: bei der diagnose, die immer nur eine bewertung eines/mehrerer ärzte ist.
mir ist klar, dass solche medikamente manchmal eine sehr große hilfe/erleichterung sein können, trotzdem bleiben sie für mich eine reine symptombehandlung, die in keiner weise die auseinandersetzung mit den biographischen ursachen (denn die sind es für mich auch) aller psychomentalen erkrankungen ersetzen ...
► Antwort
wvs_at_re-actio.com antwortete am So, 11. Sep, 12:01:
Was ist "angemessen"?
bin ich versucht zu fragen ....Entgegen Ihrer Auffassung können bestimmte zugeführte Substanzen als "kausale Therapie" (im Gegensatz zu "symptomatischer Therapie") verstanden werden, nämlich dann, wenn sie den natürlich vorkommenden Transmitter ersetzen, anstatt nur dessen Produktion zu erhöhen ("Strohfeuer-Effekt").
Die Substitutionstherapie setzt da ein, wo der Organismus nicht mehr in der Lage ist - aus welchen Gründen auch immer - selbst für ausreichende Balance zu sorgen, d.h. die Transmittersubstanz zu produzieren.
Nicht immer ist nämlich die Vorgeschichte eines solchen Defizits psychischer Natur:
Es kann als Auslöser die Unfähigkeit der produzierenden Zellen angenommen werden, benötigte Mengen von Überträgersubstanz bereitzustellen (vergleichbar z.B. mit einem Nachlassen der Säureproduktion im Magen, das ist auch organischer, nicht psychischer Natur).
la-mamma antwortete am So, 11. Sep, 12:25:
ja und nein...
ich wollte gar nicht so deutlich widersprechen - aber ich bin mir wirklich nicht im klaren darüber, ob es jemals ausreicht, nur die "organischen" ursachen gelten zu lassen. psychopharmaka dürfen in österreich nur von ärzten verschrieben werden, von psychotherapeuten ohne medizin. ausbildung nicht. vielleicht kommt meine große skepsis daher - denn die entsprechenden fachärzte und auch die praktischen ärzte sind mit der verschreibung oft recht "rasch" ...
kinomu antwortete am So, 11. Sep, 13:03:
Weil Sie von "biographischen ursachen" schreiben: oft spielen genetische Faktoren eine sehr grosse Rolle, zB bei manisch-depressiver Erkrankung.
Praktischen Ärzte sind oft nicht die qualifiziertesten, keine Frage. Aber es gibt ja auch Psychotherapeuten mit medizinischer Ausbildung. Experten.
Dazu schreibt chaetzle am So, 11. Sep, 11:50:
In einem solchen Fall müssten Medikamente gegebn werden. Die Frau stellt eine Gefahr für sich und bedingt für andere dar.
Leider kann man gegen den Willen der Patientin nichts machen. Die Anfälle kommen nur phasenweise. Ansonsten ist sie "normal".
Sie wissen, dass ich von berufswegen nicht gerade erfreut bin über die chemischen Keulen. Aber manchmal MÜSSEN sie eben gegeben werden. Leider werden sie aber auch unüberlegt verordnet. Auch solche Fälle kenne ich: z.B. wegen Kopfschmerzen ein starkes Antidepressiva. Muss das denn sein??
@la mamma: Dosierungen sind in solchen Fällen oft schwer zu handhaben, leider. Und natürlich ist es eine reine symptomatische Therapie. Begeitende Massnahmen sind unerlässlich.
► Antwort
wvs_at_re-actio.com antwortete am So, 11. Sep, 12:15:
Der geschilderte Fall ....
und Ihre ergänzenden Anmerkungen zeigen verschiedene Aspekte auf:- Das zyklische (oder "schubweise") Auftreten spricht für eine Transmittererschöpfung. Hier sollte mindestens geprüft werden, ob eine nahrungsbedingte Defizitsituation vorliegen könnte. Auf jeden Fall - und da stimme ich Ihnen zu - muß eine Medikation erfolgen um die Selbst- und Fremdbeeinträchtigung auszuschließen.
- Der Leidensdruck nimmt stetig zu. Mit vermehrter Beeinträchtigung der Umwelt kommt es zu einer Isolierung, die die Tendenz zur Selbstbeschädigung exponentiell erhöht.
- Ein starkes Antidepressivum bei Kopfschmerz kann der Versuch der/des Therapeuten /-in sein, bei angenommener psychosomatischer Komponente des Krankheitsbildes eine Ausschlußdiagnose zu stellen (geht der Kopfschmerz unter Antidepressivumgabe zurück, so ist eine psychosomatische Auslösung anzunehmen).
Diese Therapie darf dann aber nur von kurzer Dauer sein und sollte nach Erreichen der endgültigen Diagnose abgesetzt werden.
Morgaine antwortete am So, 11. Sep, 12:46:
Auch Deutschland leidet immer wieder unter diesen Elementen, Polit-KünstlerInnen und anderem naseweissen Gesindel, das sich in Angelegenheiten einmischt, die es nun wirklich nichts angehen und damit einen sehr störenden Einfluss auf die endlich gesunden wollende Volksseele ausüben. Über eine medikamentöse Ruhigstellung unter den genannten Gesichtspunkten wäre sicher noch näher nachzudenken.
wvs_at_re-actio.com antwortete am So, 11. Sep, 12:56:
@ la mamma
Ich hätte mich mißverständlich ausgedrückt, wenn der Eindruck entstanden ist, es seien nur organische Störungen anzunehmen.Richtig ist, daß drei Ursachen angenommen werden können:
- organisch = Störung der Produktion von Überträgerstoffen - im Sinne von Über- oder Unterproduktion, weil die biochemischen Reaktionen gestört sind - bei ausreichendem Vorhandensein der Ausgangssubstanzen. Dadurch "Auslenkung" des Mobiles ....
- psychisch = Erschöpfung der produzierten Mengen als Reaktion auf extreme äußere Beanspruchung (Beispiel: Tod eines nahen Angehörigen: Depression), dadurch hervorgerufen eine Instabilität des Mobiles und
- ernährungsbedingt = unzureichende Zufuhr von Ausgangsstoffen, die Zellen können trotz intakter biochemischer Ausstattung wegen des Mangels nur mangelhaft benötigte Transmitter bilden.
Ob es ein "zu früh" und "zu schnell" oder gar "zu viel" gibt?
Sicher, denn Therapeuten sind auch nur Menschen ....
wvs_at_re-actio.com antwortete am So, 11. Sep, 13:15:
@ Morgaine
Ich grüße Sie, guten Morgen ....So früh schon auf Kriegspfad?
In gewohnt pointierter Form weisen Sie auf Mißstände hin, die Psychopharmaka in Verruf gebracht haben:
- Einsatz zur Ausschaltung von Oppositionellen in der vormaligen UDSSR;
- Einsatz zur "effektiveren Befragung" durch Geheimdienste;
- Nutzung zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Fassade, Stichwort "grüne Wtwen";
- Ruhigstellung von unbequemen - da neugierigen - Kindern ....
War aber nicht mein Thema.
Ich wollte lediglich darauf verweisen, daß der Gebrauch von Psychpharmaka nach eingehender Exploration und therapeutisch verantwortungsvoll gebraucht - betrachtet man die Alternativen - kein schlimmes Teufelswerk, sondern ein Segen für die davon Betroffenen ist ....
wvs_at_re-actio.com antwortete am So, 11. Sep, 13:25:
@ kinomu
Ihr Eindruck ist - wie man ja auch den nachfolgenden Erörterungen entnehmen kann - durchaus angebracht.Danke auch für die Ergänzung zur Genetik - eine oft bezweifelte Ursache! (Wer möchte schon gern eine tickende Zeitbombe sein, von der man nie weiß, wann sie "hochgeht" ....)
Auch zu Ihrem Nachsatz zur Qualifikation ist nichts hinzuzufügen .... oder doch:
Es ist schlimmer, als es auf den ersten Blick aussieht!
Morgaine antwortete am So, 11. Sep, 16:09:
welcher Kriegspfad? Meinen Sie den Weg, den immer nur die anderen gehen? Ihr Beitrag klingt ein bisschen verschwörungstheoretisch. Welche Fassade bei welchen "Grünen Witwen" wird mit welchen Mitteln aufrechterhalten?
wvs_at_re-actio.com antwortete am So, 11. Sep, 16:21:
Ich glaubte ....
aus Ihren Anmerkungen Ironie & Sarkasmus heraustriefen sehen zu können ....Deswegen meine Hinweise auf Mißstände beim Psychopharmaka-Gebrauch, bzw. deren Verordnung.
? "Grüne Witwen" = Frauen im Heim / am Herd, die gut versorgt lange auf ihre Männer warten, die das Häuschen im Grünen nur für wenige Stunden am Tag zu Gesicht bekommen, da sie immer sehr lange arbeiten .... Frau allein = fast wie eine Witwe;
Zusammengesetzt = "Grüne Witwe".
Es stellen sich Depressionen ein, die mit Tranquilizern behandelt werden, ohne daß eine Indikation vorliegt / Alternative = Alkohol, mit tranquilisierender Wirkung ....
kinomu antwortete am So, 11. Sep, 16:45:
wvs_at_re-actio.com antwortete am So, 11. Sep, 16:58:
Die ....
Tranquilizer oder Selektive-Serotonin-und-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmstoffe (SSNRI) an sich sind nicht "gut" oder "schlecht", so wie ein Messer oder eine Pistole auch nicht nurschlecht sind: Es ist der mangelhafte Gebrauch, der sie "schlecht" macht!
Mit " .. es ist schlimmer ... etc. " meinte ich die mangelhafte Beschäftigung vieler Therapeuten mit der Pharmakotherapie, was zu hohem Risiko für Patienten führt .... und da sind nicht nur die niedergelassenen Ärzte gemeint, sondern auch und gerade die Krankenhäuser ....
Wie ich schon vorher schrieb:
Ob es ein "zu früh" und "zu schnell" oder gar "zu viel" gibt?
Sicher, denn Therapeuten sind auch nur Menschen ....
la-mamma antwortete am Mo, 12. Sep, 18:54:
ad oben 2. erschöfpung, belastung
hab ich gerade meinen sehr subjektiven "einstieg" in diese thematik beschrieben. vorher hatte ich gar keine ahnung ... nachher ziemlich viel.
wvs_at_re-actio.com antwortete am Mo, 12. Sep, 20:08:
Sie müssen ....
im Inneren all der Zwiebelschalen, im Kern, eine sehr starke Persönlichkeit sein. Gratuliere, daß Sie es geschafft haben, sich zu lösen und neu zu starten. Das gelingt nicht immer - leider!Möglich, daß es anderen beim Lesen wie Schuppen von den Augen fällt .... ein solcher Aha!-Effekt wäre wünschenswert ....
Dazu schreibt moccalover am Di, 13. Sep, 20:32:
► Antwort
moccalover antwortete am Di, 13. Sep, 20:40:
wvs_at_re-actio.com antwortete am Di, 13. Sep, 21:32:
Nein, ....
dies ist nicht meine Profession - es ist eher ein Randbereich, eine Facette ....Ja, seit einige
Was nun die "Ausgewogenheit" angeht:
Überspitzte Formulierungen und pointierte Darstellung - verbunden mit einer gewissen Abgeklärtheit - führen manchmal zu Mißverständnissen. Sie können aber sicher sein, daß ich nie beleidigen will .... höchstens ein bisschen "pieksen" ....

Dazu schreibt la-mamma am So, 11. Sep, 11:39: