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Dazu schreibt morgiane am Mo, 14. Jan, 20:17:
Haben wir keine anderen Probleme mehr?
Was das rauchen in öffentlichen Gebäuden betrifft, okay, dass geht auch ohne, oder in ausgewiesenen Zonen, ohne dass es "Pranger" oder in Glaskuben enden muß.
Was den Rest der Debatte betrifft: Haben wir denn keine größeren Probleme mehr, über die man dringender sprechen sollte, wie z.B. den Ausbau des Überwachungsstaates, den Anstieg der Kinderarmut oder Mindestlöhne, mal abgesehen von populistischen Reden über gemeingefährliche Straftäter, die die Xenophobie noch zusätzlich anheizen?
Was passiert denn, wenn alle Raucher bekehrt sind und ins pietistische Lager der Tugendsamen gewechselt sind? Wie sollen die Steuerlöcher gestopft werden, wenn nicht länger für die Sicherheit geraucht werden darf?
Kommen dann die Genußtrinker dran? Verbieten wir den Rotweinkonsum?

Schon Paracelsum hat erkannt, dass ein jegliches Gift ist, es nur an der Dosis liegt.

Im übrigen bin ich Nichtraucher seit 2 1/2 Jahren, habe davor heftig gequalmt und mich dann vom blauen Dunst verabschiedet, weil ich den Dreh zum Genußraucher nicht hin bekommen habe, wenn dann Kette (fast), mich treibt jetzt nur die Angst, dass mir mein Wein oder auch mal der schöne Single Malt am Ende auch noch genommen wird.

Wie war das? Wer nicht raucht, nicht trinkt und nicht gut ißt, lebt nicht unbedingt länger, es kommt ihm nur länger vor... 

 wvs antwortete am Di, 15. Jan, 01:09:
@ morgiane
Wir sind da bestimmt sehr nah beieinander - wie HIER nachzulesen ist - und ich befürchte nur, daß das Rauchverbot wieder nur einen kleinen Schritt dahingehend darstellt uns ALLE daran zu gewöhnen immer mehr vom Staat vorgeschrieben zu bekommen ....

Herr Quirinus sagt das sehr überzeugend, besser als ich es sagen könnte .... 

 tinius antwortete am Di, 15. Jan, 05:01:
Ich darf anmerken, daß die Raucher - Debatte eben eng mit dem Thema Überwachungsstaat verknüpft ist und sich vermutlich auch noch in die Richtung Spitzel - und Denunziantenstaat entwickeln könnte, wenn Nichtraucher ihr gesetzlich gewährtes Recht einzufordern versuchen, indem sie die zuständigen Behörden verständigen. So weit liegt das nämlich nicht auseinander. Zudem ist es - zumindest in meinen Augen - eine Debatte über Grundrechte. Die der freien Entfaltung der Persönlichkeit und der Gewerbefreiheit. Über den letzteren Aspekt wird in absehbarer Zeit dann auch höchstrichterlich entschieden werden. Ich bin durchaus der Meinung, daß es abgetrennte Raucherbereiche geben sollte, sofern das baulich möglich ist, oder aber eben verschiedene Lokalitäten für Raucher und Nichtraucher. Als Raucher bin ich allerdings im Falle kommerzieller Dienstleistungen auch Kunde. Wenn mir also eine Dienstleistung nicht zusagt, weil ich z.B. nicht rauchen darf, werde ich sie konsequent nicht mehr wahrnehmen. Zu wenig diskutiert werden in diesem Zusammenhang die beiden Punkte, daß der Staat enorme Summen mit Steuern auf Tabakwaren verdient, die er auf der anderen Seite aus dem öffentlichen Leben zu verbannen trachtet, aber andererseits nicht dafür sorgt, daß die Behandlung dieser Suchterkrankung von den Krankenkassen übernommen wird, obwohl das eben auch im Sinne medizinischer Prävention sinnvoll wäre. Jeder andere Süchtige hat das Recht auf medizinische, medikamentöse und therapeutische Behandlung, bei der allenfalls minimale Zuzahlungen fällig werden, Raucher nicht. Ein letzter Punkt wäre für mich die über Jahrzehnte entwickelte Rauchkultur, die über ebenso lange Zeit staatlicherseits toleriert worden ist. Von daher hielte ich ein behutsameres Vorgehen für angebrachter und auch sinnvoller. Im Moment könnte man die Gesetzgebung mit einer Situation vergleichen, in der einem Menschen der Zugang zu öffentlichem Straßenland verweigert würde, wenn bei einer Atemkontrolle an der Wohnungstür ein minimaler Atemalkohol festgestellt würde. Auch wenn ich das persönlich durchaus gut fände, hielte ich auch diesen Ansatz aus rechtspolitischer Sicht für ziemlich problematisch. Noch eine politische Fragestellung drängt sich mir auf : wenn unser Staat so um das Wohl seiner Bürger besorgt ist, weshalb wird dann im neuen Gentechnikgesetz die ungekennzeichnete Beimischung von gentechnisch veränderten oder über Futtermittel kontaminierten Bestandteilen zugelassen ? Hier wird mit mindestens zweierlei Maß gemessen.... Nach dreißig Jahren Nikotinkonsums weiß ich nicht nur, daß Rauchen schädlich ist, sondern merke es auch ab und an. Auf der anderen Seite kann ich feststellen, daß die vor langen Jahren diagnostizierte Lungenmetastase durch einen anderen Krebs verursacht wurde, der recht unabhängig von der Zufuhr schädlicher Stoffe gewesen ist. Und mir konnte es relativ egal sein, ob dieser Ursprungstumor nun in die Lunge, in die Niere oder ins Hirn metastasierte, denn keine der Möglichkeiten war wirklich prickelnd. Besonders wenn man weiß, daß die notwendige und erfolgreiche Chemotherapie eine recht wahrscheinliche Langzeitfolge hat : Krebs. Zytostatika sind nämlich langfristig krebserregend. 

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23. Jul. 2008, 14:21
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