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Korrektes Deutsch scheint keine Voraussetzung mehr dafür zu sein,
bei einer Zeitung schreiben zu dürfen ....



[Quelle: Münsterische Zeitung v. 27.12.2007]


Auf der Titelseite eines der lokalen Blätter - nun wird mir langsam klar, warum dieses Blatt "die kleine Zeitung" genannt wird ....

[sdc]

Dazu schreibt tinius am Do, 27. Dez, 18:37:
Die fehlerhafte Anwendung der deutschen Sprache - und ich meine Regelverstöße, keine Anglizismen - hat schon seit längerem in die publizistische Landschaft Einzug gehalten. Gerade in Fernsehsendungen und in den Nachrichtenredaktionen scheint man die deutsche Sprache inklusive ihrer grammatikalischen Bezugssysteme nicht mehr verinnerlicht zu haben. Das beweist mir, daß sich die Ergebnisse PISA nicht aus dem Nichts manifestiert, sondern sich nach und nach aufgebaut haben, und daß inzwischen am Personal gespart wird, die Artikel bzw. Beiträge vor der Veröffentlichung gegenlesen und notfalls korrigieren. Parallel dazu kann man ja auch in der Buchbranche feststellen, daß mancherorts das Lektorat sträflich vernachlässigt wird. 

 wvs antwortete am Do, 27. Dez, 20:13:
Bei mir kommen ....
sicher auch Fehler vor - nur mit dem Unterschied, daß das Schreiben nicht mein Beruf ist. Wenn hingegen berufsmäßig betrieben, sollte das Ergebnis mindestens mit Hilfe einer Rechtschreibprüfung durchgesehen werden - und ja, ich kann mir auch vorstellen, daß eine Heerschar preiswerter Praktikanten 'losgelassen' wird, um allerlei Lokales zu sammeln und zu verwerten.

PISA hingegen sehe ich durchaus nicht als die absolute Wahrheit. Nähme man es lediglich als Hinweis: Ja! Aber wie das "Deutsche Wesen" nun einmal ist, schüttet man das Kind mit dem Bade aus:
Bei einem derart hohen Anteil ungebildeter Einwanderer ist die Aufgabe von den Grundschulen nicht zu schaffen - es fehlt an Geld und damit an Personal - selbst bei großem Einsatz und Engagement der Lehrer/-innen wird eine Zahl von nicht ausreichend vorbereiteten Kindern übrig sein ....

Daß es gilt weiter an der Verbesserung zu arbeiten bestreite ich bestimmt nicht - nur soll doch bitte irgendwer Verantwortliche/-r auch dazusagen, daß das Jahre dauert, bis ein solches Ergänzungsmodell arbeitet ....

Vielen Dank für die Erweiterung der Gedankengänge - es wird sicher ein Thema sein, das uns hier und anderswo noch länger beschäftigt .... 

Dazu schreibt tinius am Fr, 28. Dez, 05:09:
Die absolute Wahrheit gibt es eh nicht. Allerdings war mir auch nicht daran gelegen, die Lehrer verantwortlich zu machen. Mir ging es um die Elterngeneration. Hier fehlt es an Vorbildern und an Zeit / Zuwendung für Kinder. Eine Generation, die durchweg verlernt hat, höherwertige literarische Texte zu lesen und zu verstehen, und im besten Fall sich mit Unterhaltungsliteratur vollstopft, in der Regel aber überhaupt nicht buch - und damit schriftaffin ist, hat es schwer, den eigenen Kindern Schriftsprache in ihrer korrekten Ausformung näherzubringen. Mein anderes Argument waren wirtschaftliche Entscheidungen. Früher gab es Verlage, die dafür bekannt waren, daß das Lektorat und Übersetzungen unterdurchschnittlich waren. Heute rutschen auch renommierten Verlagen böse Schnitzer in Satzbau, Grammatik oder in Übersetzungen durch. Es ist nicht angenehm, in einer deutschen Übersetzung englische Satzkonstruktionen zu finden, die es in dieser Art in der deutschen Sprache gar nicht gibt. Oder feststehende Begriffe einfach mal wörtlich übersetzt werden : da werden dann "red herrings" zu "roten Heringen", was wortwörtlich sogar korrekt, aber idiomatisch eigentlich als "falsche Fährten" zu übersetzen wäre....
Ich mache übrigens auch Fehler, genug wahrscheinlich, auch ohne die Rechtschreibreform komplett zu verweigern. Mir geht es - wie Dir - um die Häufung in Bereichen, in denen die Benutzung der Sprache zum Handwerkszeug gehört und - viel ärgerlicher : in denen die Vorbildfunktion durch sorglose Sprachverwendung ad absurdum geführt wird. 

 wvs antwortete am Fr, 28. Dez, 10:46:
An Deiner Antwort ....
erkenne ich, wo ich mich mißverständlich ausgedrückt habe - tut mir leid, wenn meine eigentliche Absicht Deine Aussage zu untermauern und zu bestätigen ganz offensichtlich mißlang .... Danke, daß Du es nochmals erweitert und mit einigen Beispielen belegt hast:
Volle Zustimmung zu dem Anteil der Eltern (bedeutet ja grundsätzlich eher "Nicht-Anteil"!), denn da wird deutlich, wer sich verantwortlich fühlen müßte aber wegen "Selbstverwirklichung" oder "Trägheit" nicht bereit oder in der Lage dazu ist.

Sorgfalt fängt da an, wo mindestens der Aufwand getrieben wird, der nötig ist ein korrektes Ergebnis zu erreichen. In Weblogs scheidet sich - nach meiner Auffassung - die Spreu dadurch vom Weizen, daß eine Durchsicht nach Fehlern erfolgt:
Man erkennt es am Ergebnis ....
Umsomehr bedauere ich immer wieder, daß Blogger/-innen, die das tun und sich die Zeit nehmen, also den Aufwand nicht scheuen, in der großen Masse untergehen und sich sogar noch mit den weniger sorgfältigen - um nicht 'einfältigen' zu sagen - über einen Kamm scheren lassen müssen.
Es gibt eine Reihe von Blogger/-innen, mit denen ich von der Grundauffassung sicher nicht übereinstimme, die ich aber ernst nehme, weil aus ihren Texten eine ähnliche Grundauffassung hinsichtlich Qualität der Sprache hervorgeht.
Aber, wie 'im richtigen Leben':
Oft sind es gerade die - unabhängig voneinander - hochgehaltenen Werte, die zu einer stärker als nötigen Abgrenzung untereinander führen. Bedauerlich. Solidarität wäre da zur allgemeinen Verbesserung der Qualität und Minderung der Reibungsverluste sicher die bessere Option.

Was die Übersetzungsfehler angeht kann ich wiederum nur beipflichten, denn ich habe ähnliche Beobachtungen gemacht. Wann immer möglich lese ich daher englischen Text (von englischsprachigen Autoren) - mit dem stillen Verdacht, daß anderssprachige Texte ähnliche Fehler enthalten und ich es nicht merke, weil ich nur Grundzüge zu verstehen in der Lage bin .... 
   




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18. Jul. 2008, 19:47
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