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ist auch nur so ein Begriff der Arbeitenden ein schlechtes Gewissen machen soll, sie 'unter Dampf' hält ....

Ist es da nicht besser - nach 'alter Art' - eine Arbeit richtig zu machen und sie zu beenden, ehe man die nächste Sache in Angriff nimmt?

....

"Wer Vieles zugleich macht macht nichts davon richtig"

....


Dazu schreibt Legatus am Do, 11. Okt, 13:54:
Heutzutage soll man doch nix mehr richtig machen...nur noch schnell...das nennt sich dann "Mit der Zeit gehen". 

 wvs antwortete am Do, 11. Okt, 13:59:
Genau ....
das war der Anlaß für den Beitrag: Schnell, schneller, Eiltempo ....
Wenn es keine 'Muße' mehr zwischen den Arbeitsschritten gibt laugen die Arbeitenden aus - davon hat dann niemand etwas .... 

 SuperWeib antwortete am Do, 11. Okt, 14:15:
Dieses systematische Auslaugen dürfte aber sehr groß in Mode sein. Den Druck so lange und so weit es geht erhöhen, der Mensch hält ja viel aus, eine Zeit lang zumindest. Und wenn es nicht mehr geht... Auf Wiedersehen, entweder müssen sowieso Arbeitsplätze eingespart werden (dann kommt das ja sehr passend) oder es stehen schon mindestens 10 andere, frische Arbeitskräfte in der Schlange und warten aufs Drankommen.

Und dieses "schnell, schneller, Eiltempo" und "nix mehr richtig machen" sind die Nebenwirkungen unserer Wegwerfgesellschaft... 

 wvs antwortete am Do, 11. Okt, 15:05:
Wenn ....
vom sogenannten *burnout* die Rede ist, wird etwa das beschrieben, was Du da gerade ausgeführt hast - eine Schande, denn wenn man dazunimmt, daß z.B. an der "Rente mit 67" festgehalten würde/wird(?), ist eben nicht nur bei 'schwer körperlich Arbeitenden' dieser Aus- nd Erschöpfungsprozess extrem gesteigert .... meine These ist ja, daß die Meisten mit Mitte 40 schon über den "Zenith" sind, es aber noch gut 10 Jahre kaschieren können .... dann ist aber bestimmt "Schonung" angesagt .... 

 SuperWeib antwortete am Do, 11. Okt, 21:55:
*ironic_mode_ON*

Bis 67 arbeiten wie ein 25jähriger, dann umfallen und tot sein. Der Wunschtraum der Wirtschaft und der Politik.

*ironic_mode_OFF* 

 wvs antwortete am Do, 11. Okt, 22:08:
Gar nicht so weit ....
von der Wirklichkeit entfernt:
Ich kenne eine ganze Reihe ü55, die genau das versuchen ....
Meist sind es aber nur wenige - seelenverkrüppelte - Vorgesetzte, die ernsthaft glauben, das müsse so und nicht anders sein ...! 

Dazu schreibt Lady Sunflower am Do, 11. Okt, 14:39:
Ja, und ganz allgemein gesprochen fehlt dann doch auch irgendwie die Leidenschaft und Liebe zum Detail.
Deshalb klappt auch so vieles nicht - deshalb leiden so viele Menschen unter Konzentrationsstörungen, weil sie es einfach nicht mehr gewohnt sind, eine Aufgabe präzise und in Ruhe zu Ende zu führen, bevor sie sich der nächsten Anforderung stellen. Wieviele Kinder hören bei den Hausaufgaben Musik und haben gleichzeitig den Fernseher noch an. Wie oft ertappt man sich selbst dabei, dass man, während man in eine Sache vertieft ist, schon mit den Gedanken bei der nächsten Aufgabe ist. Ja, vielleicht kann gar nicht mehr die Rede von Vertiefung sein, weil alles nur noch auf oberflächliche Weise erledigt wird. Es muss ja alles genauestens geplant sein. Am besten alles auf einmal und trotzdem perfekt. Dass das so nicht geht, ist wohl nur logisch...

Vielleicht stellen sich die Verfechter des "Multitasking" den Menschen als eine Art Multifunktionsroboter vor, der gleichzeitig telefonieren, am Computer arbeiten, Meetings abhalten, soziale Kontakte pflegen, Briefe schreiben etc. kann.

Mal ehrlich, ich wüsste zu gerne einmal, wie das Ganze in der Praxis aussieht. 

 wvs antwortete am Do, 11. Okt, 15:13:
Wie genau ....
ich mir das *multitasking* vorstellen muß kann ich auch nicht mit Bestimmtheit sagen - aber die in Deinem zweiten Absatz genannten Funktionen sind bestimmt gemeint .... oder so wie im folgenden Bild:

....



....

[Quelle Bild]

Die Aufmerksamkeitsspanne der Bevölkerung sinkt ja auch zunehmend, weil - vor allem im Fernsehen - die Schnitte immer schneller kommen und die Zuseher sich unterbewußt an dergleichen Wechsel gewöhnen .... 

Dazu schreibt Mirtana am Do, 11. Okt, 15:27:
Die Kunst liegt nicht darin, alles auf einmal zu erledigen. Multitasking halte ich persönlich für Blödsinn. Die wahre Kunst liegt darin, die Übersicht zu behalten und auch nach einer Störung noch zu wissen, woran man gearbeitet hat und so in der Lage zu sein, den Faden wieder aufzunehmen wo man ihn fallen gelassen hat.

Ich nenne das "Konzentration" auf das, was man tut. Multitasking ist für Anfänger, die damit nur kaschieren wollen, daß sie sich weder konzentrieren können noch in der Lage sind, eine Aufgabe zu Ende zu führen. 

 wvs antwortete am Do, 11. Okt, 15:31:
Das, liebe Mirtana, ....
gefällt mir als Aussage sehr:
" .. Multitasking ist für Anfänger, die damit nur kaschieren wollen, daß sie sich weder konzentrieren können noch in der Lage sind, eine Aufgabe zu Ende zu führen. .. "
Es kann nicht deutlich genug gesagt werden .... und Vorgesetzte, die *multitasking* verlangen haben eben nichts begriffen ...! 

Dazu schreibt kepkezkem am Fr, 12. Okt, 00:28:
ich kann mir nicht vorstellen, wie das leben als 50-jährige ist..
oder das leben mit 30 und kind
ich bin 22 - um 7 wird aufgestanden, fertig gemacht, um 8 auf den weg in die arbeit. um 9 beginnen. bis 19 oder 20h. um 20-21h daheim sein. 3-4 stunden noch vorm pc sitzen oder dinge daheim erledigen. schlafen gehen. um 7 wird aufgestanden, fertig gemacht, um 8........
klar gibts auch freie tage dazwischen - aber manchmal 5 oder 6 tage so durchmachen.... kind, fixes hobby (wenn dann nur sonntags)? - keine zeit. muss selbst existieren - einige stunden hab ich ja täglich dafür
im handel zu arbeiten hat da eben so seine nachteile. wenn sie nun (zur em zb) auch schon die sonntagsöffnung genehmigt haben und sich auch weiterhin alle für längere öffnungszeiten einsetzen - gute nacht und machs gut, oh du mein leben. ich werde dich vermissen, aber ich habe keine zeit mehr, mit dir abzuhängen.


ps.: ich kenne leute, denen es schon hoch anzurechnen ist,, gleichzeitig zu sitzen und zu atmen... muss man ja auch erst koordinieren 

 wvs antwortete am Fr, 12. Okt, 01:02:
Sich vorzustellen ....
wie das eigene Leben in vielen Jahrzehnten aussehen wird ist bestimmt nicht einfach - ich selbst hatte aber bestimmte Vorstellungen davon, wie ich es gern haben wollte .... wie es in dem Chinesischen Sprichwort heißt: "Wenn Du eine Reise unternehmen willst mußt Du den ersten Schritt tun." Daraus abgeleitet meine ich, daß man schon eine Zielvorstellung entwickeln sollte - ganz unabhängig von der derzeitigen Situation - um dann in kleinen Schritten in die Richtung zu gehen, die auf das spätere Ziel hin ausgerichtet sind .... ohne Ziel also kein eigenbestimmtes Leben ....

Wenn deine Branche solche Anforderungen stellt sehe ich nur zwei Möglichkeiten: Entweder raus und etwas anderes anfangen, oder in dieser Branche den Aufstieg planen - schlimmer als jetzt kann es da mit der Arbeitszeit nicht mehr werden, höchstens besser dadurch, daß man nach Aufstieg zunehmend mehr selbst bestimmen kann, z.B. wann die eigene Anwesenheit unabdingbar ist und wann eben nicht - das schafft Freiraum ....

Daß es viele träge und/oder unbewegliche Menschen gibt ist unbestritten - nur sind ja gerade die kein gutes Beispiel .... vor allem kein Beispiel, an dem man sich orientieren sollte ....

Abschließend noch die Antwort auf die Frage ob ich es geschafft habe dahin zu kommen, wohin ich wollte: Jein - zwar ist meine Situation finanziell 'ok', aber die Tätigkeit an einer Hochschule, die ich gern länger ausgeübt hätte, dauerte nur ein paar Jahre ('99-'02) .... allerdings waren für die Beendigung die veränderten Bedingungen nach 9/11 in den U.S.A. verantwortlich, sonst säße ich wahrscheinlich nicht hier sondern dort .... das Kapitel ist abgeschlossen, ich trauere ihm nicht nach, denn mittlerweile bin ich in einem Alter, in dem man sowieso ans Aufhören denkt .... 

Dazu schreibt konkret77 am Fr, 12. Okt, 14:10:
Der Begriff
stammt natürlich aus der IT-Welt, in der ich seit meinem 22 Lebensjahr produzierend und beratend tätig bin. Letzte Woche 45 geworden, stelle ich mir immer wieder und erneut die Frage, wohin uns die post-industrielle IT-Revolution noch führen wird. Angesprochen wurde hier schon viele wichtige Aspekte, Burn-Out et al. Ich stelle an mir selbst fest, dass ich den sogenannten "Neuerungen", mit Halbwertzeiten von knapp drei Monaten nicht mehr gewachsen sein will. Ich habe es nicht nötig (dem Herrn sei Dank), mich in diese Tretmühle hineinzubegeben, denn: aus Multi-Tasking wird in Kürze event oriented; ereignisorientiert, was immer passiert, man/frau hat situativ die richtige Lösung zu präsentieren, sonst gibt's Punkteabzug. Und wenn wir ganz großes Pech haben, kommt dann auch noch die Rückbesinnung auf die allumfassende Objektorientiertheit, die ich als Programmierer über alles liebe, aber für einen nativen Lebensansatz für völlig unbrauchbar erachte.

Sorry, ich gerate ein wenig off-topic . . . aber Paradigmen-Diskussionen lassen mich nicht kalt. 

 wvs antwortete am Fr, 12. Okt, 15:25:
Nur frei heraus damit, ....
lieber konkret77, denn das befreit:
Ich stelle mich manchmal in den Keller - der Nachbarn wegen - und brülle ganz laut Unflätiges geraus, nur damit ich nicht platze ...!

Danke für die Erweiterung der Diskussion, ich finde es durchaus angebracht, auch über weitere, verbundene Strukturelemente des Arbeitsalltags zu reden ....es berührt die Frage "Müssen wir alles tun was wir können?" - ich meine "nein" - und da bin ich mir ganz sicher .... vor allem weil jedes "ja" weitere entmenschlichenden Veränderungen nach sich zöge .... 

 konkret77 antwortete am Fr, 12. Okt, 17:02:
Im Kundengespräch...
...habe ich mir angewöhnt auf die Qualität eines Anspruchs hinzuweisen. Soll es schnell oder gut gemacht werden?! Und wenn ich da zu oft "schnell" als Antwort empfange, fliegt der Kunde in der nächsten beruflichen Neu-Orientierung heraus. Diesen Luxus leiste ich mir mittlerweile.
Dein Keller ist mein Auto, es ist halbwegs schallisolierend und hat in den vergangenen Jahren einiges an komprimierter Unflätigkeit anhören müssen ;-) Und diese Ventilfunktion ist gut, denn sonst...
Aber die Frage ist ja weiterhin: was muss ich mir antun, um als geld-verdienender Mensch akzeptiert zu sein? Und da haben Angestellte, ob nun im mittleren oder höheren Management (wovon wir hier doch sprechen) sehr viel mehr zu erleiden, als wir freelancer, die wir uns ja unsere Kunden "aussuchen".

Um's ganz knapp abzuhandeln:
Meiner Meinung nach ist der Kapitalismus (erneut) an einem Wendepunkt angelangt, wo jeder halbwegs klar denkende Mitmensch sich überlegen muß, welche Position er /sie beziehen will. Und es geht mittlerweile nicht um ein wenig mehr Kohle, es geht um die Art und Weise, wie human(istisch) mit Mitmenschen im Berufsleben umgegangen wird. 

 wvs antwortete am Sa, 13. Okt, 00:10:
Sicher ....
kann man als Freiberufler - in doch sehr engen Grenzen! - aussuchen, mit wem man zusammenarbeiten will - und mit wem nicht ...! Ein "Basisrauschen", also Kunden, die die Gemeinkosten abdecken helfen, wird jeder Freiberufler haben müssen - wenigstens ist das meine Erinnerung.
Insoweit schränkt sich auch die Freiheit der Freiberufler ein.

Die Überlegung zum "Wendepunkt" kann ich nur unterstützen:
An vielen Hochschulen ist man dazu übergegangen "Ethik im Geschäftsleben" (oder ähnlich betitelt) zu unterrichten, weil den Studenten ein Koordinatensystem mitgegeben werden soll, das ihnen ermöglicht "gut" von "böse" zu unterscheiden - nur, leider, werden sie oft von der Wirklichkeit überrollt und müssen sich 'nach der Decke strecken' - was nichts anderes heißt, als daß sie sich wohlverhalten und die hehren Grundsätze, die man ihnen mitgegeben hat ganz schnell wieder vergessen .... 

Dazu schreibt la-mamma am Fr, 12. Okt, 17:35:
der begriff ist ganz schlecht
und dein zitat ist zutiefst wahr. nur scheint es mir oft genug gar nicht möglich, NICHT mehrere sachen gleichzeitig zu tun;-( 

 wvs antwortete am Sa, 13. Okt, 00:13:
Doch, doch, ....
das Zauberwort zum Selbstschutz heißt: NEIN!

Ich gebe allerdings zu, daß es nicht immer gelingt, konsequent beim "NEIN!" zu bleiben - ab und an ein Kompromiß .... das sollte aber auch für das Gegenüber eine - erkennbare - Ausnahme sein. 

Dazu schreibt steppenhund am Sa, 13. Okt, 01:36:
Naja, ...
Ich kann mir ein Arbeitsleben ohne Multitasking schwer vorstellen und auch gar nicht wünschen. Meine Türe stand früher immer offen - heute arbeite ich mitten unter den anderen - und wenn jemand eine Frage hat, die adhoc zu behandeln ist, gehe ich darauf ein.
Außerdem sehe ich es durchaus als die Arbeit beschleunigend an, wenn ich an mehreren Softwareprojekten gleichzeitig arbeite. Da ist dann halt der Dienstag und Mittwoch für das eine Projekt, der Donnerstag für das andere. Und Kundenbesuche gibt es dann auch noch und die Beantwortung all jener Fragen, die von mehreren Kollegen aufgeworfen werden.
Wenn ich mich entspannen will und Monotasking anstrebe, dann trifft das für Sex, Sauna und Klavierspiel zu. Deswegen genieße ich das Klavierspielen auch so, weil ich zwar vollkonzentriert aber das nur auf eine Sache agiere.
In der Saunakammer komtempliere ich zwar Gott und die Welt, aber eigentlich empfinde ich nur die Hitze.
Ich weiß nicht, wenn ich an einem Vortrag arbeite, entstehen zwangsläufig Pausen, an denen ich das Ganze weglegen muss, um es dann nach zwei Tagen wesentlich frischer wieder aufnehmen zu können.
Wenn ich programmiere, dann versuche ich in Flow zu kommen. Das ist dann ausgesprochenes Monotasking mit einer Art Supraleitfähigkeit.
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Nein, ich finde die Verteufelung von Multitasking nicht richtig. Insbesonders, wenn es heißt, dass das Männer nicht können. Das ist ein ausgesprochener Blödsinn. Ich kenne mehr Frauen als Männer, die komplett abschalten, wenn ein zweiter Interrupt an sie herangetragen wird.
Aber gut - jeder nach seiner Facon! 

 wvs antwortete am Sa, 13. Okt, 03:45:
" .. Ein Jeder nach seiner Façon .. " - ein berühmter Spruch des "Alten Fritz" mit dem er Religionsfreiheit schuf .... so eine Art von "Multitasking"-Freiheit ist es wohl, für die Du plädierst .... kein Einwand, denn man muß selbst entscheiden - für sich entscheiden - wie man am besten arbeiten kann .... meine Tochter z.B. hat immer im Hintergrund Musik an - völlig egal wie konzentriert sie an etwas arbeitet .... ich will ja auch nichts verbieten oder verteufeln (ok, ein wenig ...) - nur sagen, daß ich es so nicht mag .... wie aber zu erkennen ist, gibt es doch eine ganze Reihe contra-Argumente von durchaus sehr verschiedenen Persönlichkeiten .... 
   




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17. Mai. 2008, 07:26

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