In unserer Nachbarschaft wurde ein Haus neu vermietet. Selten, denn die meisten Häuser werden von den Besitzern bewohnt.
Eingezogen ist eine türkische Familie - nicht typisch türkisch, eher 'angepaßt' in Kleidung und Lebensstil .... Vater, Mutter und eine Tochter, deren größte Freude das Rollerfahren zu sein scheint: Verständlich, denn das Kind spricht außer türkisch nur Englisch - und da tun sich die Gleichaltrigen aus der Nachbarschaft schwer ....
Warum schrieb ich 'angepaßt'?
Weil sie versuchen, sich zu integrieren - die Küchenvorhänge ähneln denen in der Nachbarschaft, das neue Auto ist nicht zu groß, erweckt keinen Neid, und nicht zu klein, erzeugt keine mitleidigen "konnten-die-sich-nichts-ordentliches-leisten"-Kommentare ....
Auch die Gardinen im ersten Stock:
Ganz normaler deutscher Durchschnitt mit 12 Falten pro laufendem Meter ....
Seit gestern stehen nun zusätzlich zwei dicke Töpfe mit Heidekraut - eines weiß, das andere rot - vor dem Fenster in der Küche. Heimverschönerung - ganz im Gleichklang mit dem, was die anderen Nachbarn so dekorieren ....
Wer nun an diesem Haus vorbeigeht wird nicht ahnen, daß es von Türken bewohnt wird .... alles relativ, wie man merkt ...!
[ysx]
Eingezogen ist eine türkische Familie - nicht typisch türkisch, eher 'angepaßt' in Kleidung und Lebensstil .... Vater, Mutter und eine Tochter, deren größte Freude das Rollerfahren zu sein scheint: Verständlich, denn das Kind spricht außer türkisch nur Englisch - und da tun sich die Gleichaltrigen aus der Nachbarschaft schwer ....
Warum schrieb ich 'angepaßt'?
Weil sie versuchen, sich zu integrieren - die Küchenvorhänge ähneln denen in der Nachbarschaft, das neue Auto ist nicht zu groß, erweckt keinen Neid, und nicht zu klein, erzeugt keine mitleidigen "konnten-die-sich-nichts-ordentliches-leisten"-Kommentare ....
Auch die Gardinen im ersten Stock:
Ganz normaler deutscher Durchschnitt mit 12 Falten pro laufendem Meter ....
Seit gestern stehen nun zusätzlich zwei dicke Töpfe mit Heidekraut - eines weiß, das andere rot - vor dem Fenster in der Küche. Heimverschönerung - ganz im Gleichklang mit dem, was die anderen Nachbarn so dekorieren ....
Wer nun an diesem Haus vorbeigeht wird nicht ahnen, daß es von Türken bewohnt wird .... alles relativ, wie man merkt ...!
[ysx]
► Antwort
wvs antwortete am So, 7. Okt, 13:43:
Man findet ....
ja oft die sogenannte "Über-Anpassung" (Schreibweise mit Absicht so gewählt!) bei zugezogenen Ausländern - genau aus dem Grund den Du nennst:Nur nicht auffallen ....
Ein Plausch am Gartenzaun (mit beiden Erwachsenen) hat ergeben:
Sie wohnten zuvor in England, vier Jahre lang, und werden hier jetzt auch vier Jahre sein ....
Am mangelhaften Bildungsstand kann der außerordentliche Anpassungswille nicht liegen - wohl eher an der angenommenen/erwarteten Notwendigkeit zu dergleichen Lebensstil .... aber vielleicht ist auch das völlig falsch und es ist einfach nur die Art und Weise, die dieses Paar mag ....
the white lake knight antwortete am So, 7. Okt, 16:45:
Andere Wege
da haben sie also Türken in Münster. Fein. Ohne jede Wertung. Angepasste Türken. Im Wedding nebenan bei mir hat' s auch Türken, nicht ganz angepasst so manche, viele überhaupt nicht, zum Teil eigenes Kiez. Ghetto wäre krass übertrieben. Ich bin öfter in der Ecke, kaufe bei den Türken ein und fühle mich immer sehr wohl. Angepasst oder nicht, ich find es mittlerweise egal.Vielleicht haben die Türken bei Ihnen einfach nur Angst, vielleicht sind es einfach auch nur Menschen, die sagen, wir sind hier zu Gast, wir verhalten uns so wie die Eingeborenen äh sorry wie die Münsteraner, wir sind höflich. Einfach mal zum Kaffee einladen und mal schauen, in der Regel sind die richtig nett und witzig. :-)
wvs antwortete am Mo, 8. Okt, 01:42:
Edelster Herr Ritter ....
ich habe nichts gegen irgendeine Nationalität - das vorweg ...!Mit den neuen Nachbarn habe ich gesprochen, ihnen geholfen durch den Dschungel an Mülltonnen zu finden, ihnen erklärt was in welche Tonne bzw. welchen Sack kommt .... der Tochter von einem Dackel abgeraten, die Mutter darin bestärkt Deutsch zu lernen, mit dem Mann über seine Auslandseinsätze diskutiert .... festgestellt, daß sie den gleichen Typ Kühlschrank in der Küche haben und gesehen, daß sie Fliegengitter gegen die Stechmücken angeschafft haben - für einen Monat, den sie hier sind ist das doch schon ein guter Anfang ..?!
the white lake knight antwortete am Mo, 8. Okt, 07:41:
Cool, verehrtester herr wvs,
das hätte keiner von uns besser gekonnt. so funktioniert das und dann klappt's auch mit der nachbarin. Nicht wie in den medien drüber reden, einfach tun, und den anderen akzeptieren, unser aller eigenarten akzeptieren, die natürlich im rahmen der gegebenheiten bleiben sollten. ps. ich wollte um gottes willen da nichts unterstellen, aber das wissen Sie ja, denke ich mal. Ich sag's nur trotzdem, will mich vorsichtshalber noch mal kräftig äh... ja...einschl.....
wvs antwortete am Mo, 8. Okt, 20:39:
Es soll ....
'mit der Nachbarin' nicht klappen ...! Bewahre!
Was soll/muß meine Frau denn denken?
Nein, es soll nur eine zufriedenstellende Nachbarschaft erreicht werden .... und das, da haben Sie Recht, ist bisher schon auf dem richtigen Gleis ....
Sun-ray antwortete am Di, 9. Okt, 15:04:
Ist wohl eine Frage der persönlichen Mentalität, wie man einander begegnet. Ich für mein Teil komme hervorragend mit türkischen Mitbürgern klar - Männern, Frauen und Kindern. Nicht, weil ich es im Rahmen eigener Gesinnungspolitik beschloss, sondern weil es anscheinend gewisse Affinitäten gibt. Und finde es faszinierend, für einen türkischen Arbeitgeber zu arbeiten. So höflich und respektvoll wie dort, wurde mir unter keinem deutschen begegnet. Verlangt jedoch eine gewisse humorige Distanz zu gewissem Gebärden. ;-)
wvs antwortete am Di, 9. Okt, 19:29:
@ sun-ray
Allzuoft wird hierzulande vergessen, daß es bereits Hochkulturen außerhalb Europas gab als hier noch graue Vorzeit herrschte - das Beipiel mit dem Holzlöffel gefällt mir .... Es sind wohl auch die ungebildeten Türken, die sich nicht integrieren wollen - oft ist es das blanke Unvermögen sich zu verständigen:
Da bleibt man lieber unter Seinesgleichchen ....
Nun bin ich aber doch neugierig, was sich hinter der Aussage:
" .. Verlangt jedoch eine gewisse humorige Distanz zu gewissem Gebärden .. " verbirgt
- kannst Du das bitte etwas deutlicher ausführen ...?
Sun-ray antwortete am Di, 9. Okt, 21:31:
Ich versuche es mal zu beschreiben.
Es geht dabei um Empathie, die recht speziellem
Machtgefüge Rechnung trägt, welches niemals ausdrücklich
ausgesprochen wird, aber dennoch so definitiv existiert,
dass ob dessen Unverständnis und Ignoranz
schon mancher Kopf rollte.
Und zwar flink von jetzt auf gleich.
Der kann zwar u.U. später wieder aufgesetzt werden,
aber bis dahin muss erstmal angemessen Wasser
ins Meer fließen, um beidseitiges Gesicht zu wahren -
unabhängig davon, wer den Karren versenkte.
Man tut gut daran, keine Schuldfrage zu stellen,
denn Scheingerechtigkeit im teutschen Sinne gibt es nicht.
Wie man auch davon Abstand nehmen sollte,
sich über Unverständliches lustig zu machen -
leise lächeln darf man, laut lachen auf keinen Fall.
Türkische Bürowirtschaft folgt eigenen Regeln:
Viel Palaver (man hat den Eindruck, es wird nie gearbeitet,
nur geschwatzt), unglaublicher Ehrgeiz in Sachen Reglement
(wozu ein Mahnschild aufhängen, wenn acht Platz haben,
warum nur eine Uhr, wenn es doch vier Wände gibt?),
Laisser faire gibt's nicht, alles hat straff zu funktionieren -
zumindest dem äußeren Anschein nach.
Wenn Chef und/oder Menschen von außen kommen,
muss alles geschäftigen Eindruck machen -
nach Inhalt wird nicht gefragt.
Der wird einfach vorausgesetzt
und obliegt der Verantwortung der Mitarbeiter.
Nie wird offiziell kontrolliert,
aber insgeheim garantiert beständig.
Auch dabei ist unerheblich, ob Chef weiß, worum es geht -
er muss das Gefühl haben, dass es um Wesentliches geht.
Also tut man gut daran, für Wesentliches zu sorgen.
Ist effizienter, als nur so zu tun, als ob.
Und sichert einem Respekt und Achtung.
Das ist ganz wichtig. Ohnedem geht nichts.
Hindert Chef zwar nicht,
einem bei der kleinsten Beschwerde von Außen
(die braucht einen gar nicht selbst betreffen)
die Leviten zu lesen, als sei man Kindergartenkind,
aber dann muss man sich sagen:
Seine Rolle verlangt das - hat mit mir nichts zu tun,
ich brauche nur verständig nicken und Ja sagen,
dann gehts ihm und mir gut.
Bloß keine Diskussion, die zu beidseitigem Gesichtsverlust führt.
Nach teutschen Gesichtspunkten
führt er sich auf wie Pascha.
Pascha, der nicht halb soviel Plan hat, wie er zu haben vorgibt,
aber weiß, dass er die Oberbefehlsgewalt hat.
Er hat nichts dagegen, wenn man hie und da mit dieser droht -
also nach unten. Festigt ja nur seine Stellung.
Aber er möchte bitteschön verschont bleiben
von tatsächlichen Konflikten. Dito von Beschwerden
über unzulängliches Material und dergleichen mehr.
Und selbstverständlich um jedes Blatt Papier gefragt werden.
Solange, bis er einem scheinbar genervt
selbständigen Zugang erlaubt. Das ist dann eine Ehre.
Auch wenn's nur um schnödes Papier o.ä. geht.
Außerdem legt er Wert auf adrettes Äußeres,
das seinem Geschmack bzw. seiner Vorstellung
von Angemessenheit entspricht.
Natürlich würde er das nie laut sagen,
aber wenn jemand Gammellook vorzieht,
ist es nur Frage der Zeit, bis sich Vorwand findet,
den unliebsamen Anblick zu beseitigen.
Dieser Vorwand fällt dann zwar auch nicht fair aus,
aber wen kümmert's?
Neulich ging er kontrollierend durch die Räume -
schlug dabei beständig langes Metalllineal in die Hand
und trug jenen Blick, der besagt:
"Wer muckt - auf die Knie! Ich will euch lächeln sehn."
Es waren acht junge Grazien und meinereine im Raum -
und nicht eine konnte sich leises Lächeln verkneifen.
Wobei sich die Grazien jedoch erst vergewisserten,
ob ich lächle. Er verließ schmunzelnd den Raum,
und die Welt war positionsgerecht in Ordnung.
Mit Gewerkschaftsdenken braucht man dort nicht ankommen.
Die Dinge funktionieren einfach anders oder eben gar nicht.
Nicht ganz einfach zu begreifen, wenn man andere
Sozialisation genoss und diese als absolut vermittelt bekam.
Da braucht es schon ordentliches Maß an Gelassenheit,
Empathie und Humor. Wenn man das jedoch mitbringt
und außerdem noch echtes Engagement,
wird man nie das Gefühl haben, für dumm verkauft zu werden.
Ganz im Gegenteil wird man mit all seiner Kompetenz
im gegebenen Gefüge spürbar ernst genommen.
Ernster als in jedem teutschen Betrieb,
den ich bislang kennenlernte.
Trotzdem kann es natürlich passieren,
dass ich morgen wieder um Stückchen Kreide bitten muss,
obwohl ich gestern allein an den Schrank durfte.
Kein Problem, denn regel- und höflichkeitsachtend
frage ich sowieso. That's the way ..... ;-)
Nachtrag:
Würde ich dort nicht den Respekt erhalten,
der mir zusteht - sie hätten längst eine Lehrerin weniger.
Solches Spiel verlangt immer allseitige Zufriedenheit.
Darin liegt für mich der Unterschied
zwischen unwürdigem teutschen Kadavergehorsam
und Spiel jeweils spezifischer, aber dennoch ausgewogener Macht.
Denn - und das weiß Chef genauso wie ich -
ohne mich hat er Not. So, wie ich ohne ihn.
wvs antwortete am Di, 9. Okt, 22:14:
WOW!
Das ist tatsächlich ein sehr spezielles Umfeld - ich schwanke noch zwischen "Im- und Export" und "Schule" - so recht verstanden habe ich es allerdings noch nicht, mindestens was den "Geschäftszweck" angeht ....Sehr deutlich wurde aber die Rollenverteilung .... und ich habe verstanden, daß das Reglement grundsätzlich nur dazu dient eine Außenwirkung zu erzielen .... eine Hierarchie ist vorhanden, dient aber nur Repräsentationszwecken (?) solange der erwartete Erfolg erreicht wird ....
Wir tun uns in D ja mit der 'Obrigket' - hier ganz allgemein für jede abstufende Organisation gebraucht - schon immer schwer:
Stets schwanken die Managementempfehlungen zwischen ganz straff und ganz locker - oder irgendwie dazwischen ....
Da kann ich einsehen, daß ein klares Gefüge mit genauer Abgrenzung der Aufgaben und Verantwortungsbereiche Sicherheit & Zufriedenheit fördert ....
Sun-ray antwortete am Di, 9. Okt, 23:33:
aller Altersgruppen privaten Unterricht und Nachhilfe gibt.
Da sie nicht staatlich gefördert wird,
ist sie in einem der ärmsten Bezirke hiesig
auf zahlende Eltern angewiesen,
die wollen, dass ihre Kinder rauskommen aus dem Viertel.
Was die Kids in vielen Fällen überfordert,
aber dennoch seine Daseinsberechtigung hat.
Diese Trennung zwischen Innen und Außen -
ich glaube, sie wird nur hierzulande so explizit gemacht.
Zumindest in bewertender Hinsicht.
Innerstrukturell ist er dort sicher sehr ausgeprägt.
Und doch ist alles mehr Eins als hierzulande.
Es läuft einfach immer schon so in orientalischem Gemeinwesen.
Jedenfalls ist das mein Eindruck.
Und da niemand künstlich trennt,
funktioniert es eben auch so.
Vorausgesetzt, es arbeiten Leute mit,
die zwischen Hierarchiegefüge und Eigenverantwortung
zu differenzieren wissen.
Würde ich mir dort trägen Lenz machen -
es ginge, gar keine Frage.
Aber irgendwann eben nicht mehr.
Ob ein Wesir geköpft wird oder eine kleine Lehrerin -
unterm Strich ist das unwesentlich.
Ich komme mit solcher Struktur jedenfalls besser klar,
als mit vermeintlicher Befugnis,
die nur auf dem Papier besteht
und hinterrücks unterwandert wird.
Allerdings muss ich sagen,
dass ordentliche Portion Idealismus dazugehört.
Die Bezahlung ist miserabel.
Und ausgeprägtes Selbstwertgefühl verlangt es außerdem.
Dort kann man sich auf nichts berufen,
das einem von Staatsseite zugesichert wird.
Insofern reicht auch keine Identität,
die sich auf solches beschränkt.
Ist ein bisschen schwierig zu erklären -
mein persönlicher Eindruck ist der,
dass dort mehr der Mensch zählt,
der man ist und der sich entsprechend behauptet,
statt solcher, der man zu sein beansprucht.
Kommt mir sehr entgegen,
weil es mich vor üblichem Hintertürchendenken bewahrt,
dem ich mich eher weniger gewachsen fühle.
Ich wünsche dir noch einen wunderschönen Abend, Herr WVS!
:-)
wvs antwortete am Mi, 10. Okt, 00:09:
Danke für die guten Wünsche ....
(ich bleibe aber doch noch ein bißchen länger auf ....)
Jetzt wird mir Vieles deutlicher - Danke! - das ist eine sehr klare Sicht auf unser Schulwesen mit seinen Schwächen und natürlich ein sehr spezieller Einblick in einen Bereich des Lebens, der den meisten Menschen schon deswegen verborgen bleibt, weil sie sich für dergleichen Information sowieso nicht interessieren ....
Den 'Aufstieg' zu ermöglichen, die Integration durch Bildung zu fördern, das stelle ich mir an sich schon als lohnende Aufgabe vor - zumindest zeigt es, daß Initiativen existieren, die es wert wären von staatlicher Seite unterstützt zu werden - daß das nicht so ist: Traurig ....
Während meines Studiums stand ich - nach etwas mehr als eineinhalb Schuljahren in der Funktion einer 'Hilfskraft' - vor der Frage weiter zum Diplom oder zum Lehramt und habe mich für das Diplom entschieden, weil es in den Schulen mehr um Profilierung und kleinliches Gezänk als um die Schüler ging .... wohl auch heute noch, sonst stünden wir nach all dem finanziellen Einsatz sicher besser da als es uns durch 'PISA' bescheinigt wurde ....

Dazu schreibt Ansuzz am So, 7. Okt, 13:26: