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" .. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer, die Klugen immer klüger, die Dummen immer dümmer .. " - so heute ein Kommentar * zur Gesellschaft in unserer Republik in "aspekte".
Ein Beitrag zur "Unterschicht"**, die von ganz unten plötzlich wieder aufgetaucht ist und an der sich so recht niemand freut. Besonders die Politiker*** versuchen sie rasch wieder im Untergrund verschwinden zu lassen, weist sie doch unabänderlich darauf hin, daß die Politik seit Jahren versäumt hat sich mit den wirklichen Problemen zu befassen und den Bürgern stattdessen einen Popanz nach dem anderen vorgesetzt hat ....
Dazu Professor Bolz:
" .. ich bin froh, dass ich Wissenschaftler bin, der das beschreiben darf, und nicht Politiker, der hier entscheiden muss .. "
Ich bin auch froh
- aber das ist ja momentan der unwichtigste Aspekt ....
* [Norbert Bolz, Professor für Medienwissenschaft an der TU Berlin]
** [siehe hierzu die Erörterungen unter Stichwort "Prekariat" (Wikipedia)]
° edit °
*** [siehe hierzu "Wo lebst Du, Münte?"]

Dazu schreibt wildwuchs am Sa, 21. Okt, 07:02:
ich hab aspekte - inkl. den beschriebenen 'unterschicht-beitrag' - am freitagabend gesehen, den finger immer knapp vorm weiterzappen auf der fernbedienung. das informativste war noch der beitrag über kandinsky. diesen professor bolz fand ich ziemlich 'von oben herab' (interviewzitat: "Und wenn das Leben in dieser Parallelwelt auch noch vom Sozialstaat finanziert wird, muss es einen nicht mehr wundern, dass Menschen, die wenig Selbstdisziplin gelernt haben, und deren Willen entsprechend nicht besonders ausgeprägt ist, keine Impulse mehr verspüren, diese Welt zu sprengen.") .... wie er das mit dem sprengen meinte, kam für mich nicht ganz raus. aber ich fühlte mich daran erinnert, dass: stichwort 'sicherheitsinteressen eines staates' - siehe Noam Chomsky....(Die Aufgabenstellung) des militärischen Trainings hat sich verschoben. Offiziell im Fokus sind heute Streetgangs und der so genannte "radikale Populismus", manch ein wissenschaftlicher elfenbeinturm einem mit schiessscharten ausgestatteten wehrturm gleicht, der letztendlich nur dazu dient, dem eigenen gesellschaftlichen status mit worten nachdruck zu verleihen.....
im ganzen beitrag ging es mehr um das medium fernsehen und selbst dieser bezug war reichlich oberflächlich. auf 'aspekte' kann ich gut und gerne verzichten....es gibt meiner meinung wesentlich bessere sendungen ..... 

 wvs antwortete am Sa, 21. Okt, 13:43:
Es verwundert ....
nicht, wenn in der heutigen - wissenschaftsfeindlichen* - Situation Wissenschaftler wie aus "Wehrtürmen" heraus agieren: Wer Wahrheiten ausspricht und dafür Prügel bezieht sucht sich im Vorfeld bereits gegen derlei Angriffe abzusichern. Gleichermaßen wird natürlich pointiert argumentiert, denn es gilt so zu verdeutlichen, daß man verstanden wird, ob der Aussagen nicht verleumdet werden kann und für eine breite Schicht an Zusehern verständlich zu sein. Da wird eben nicht jedes Wort auf die berühmte "Goldwaage" gelegt ....
Was nun das von Ihnen eingebrachte (Fettdruck) Argument hinsichtlich sozialer Absicherung angeht stimmt doch zumindest der Teil des Satzes, der lautet " .. Menschen, die wenig Selbstdisziplin gelernt haben, und deren Willen entsprechend nicht besonders ausgeprägt ist .. ". Wir haben es da mit einer Generation zu tun, die in den Schulen "Kuschelecken" vorfanden und entsprechend gehätschelt wurden, deren Eltern sich in ihrer Selbstfindung ergingen und die in einer Zeit heranwuchsen, als ALLES verfügbar war - materiell - aber eben nicht spirituell!
Chomsky, den ich sehr schätze, hat mit seiner Einschätzung hinsichtlich der Verschiebung von Gewalt aus dem kriminellen Milieu in eine gesellschaftliche Unterschicht doch genau den wunden Punkt angesprochen: Das Erstarken von rechtsradikalen Tendenzen und die zunehmende Gewaltbereitschaft sind doch unübersehbar. Wen wundert es da, wenn sich "der Staat" - der uns ja repräsentieren soll - vom Schwerpunkt her auf neue Aktionsfelder vorbereitet? Zu Beginn der Sendung war ja dazu auch ein Beitrag über "Gewaltspiele" in denen Akteure schwer verletzen und töten müssen/können ....
Trotz all dieser Horrorszenarien plädiere ich dafür, die "gefühlte" Gewaltbereitschaft nicht zu überschätzen .... ich habe aus meiner Zeit in U.S.A. gelernt: Wer sich in Gefahr begibt kommt darin um! Was übertragen heißen soll, daß man sich am Besten aus Gegenden fernhält, die Gefahr bergen - und es jenen überläßt, die die Staatsgewalt repräsentieren, der Polizei!
* wissenschaftsfeindlich:
Damit meine ich ein Klima, das nur nach "Verwertbarkeit" der Ergebnisse fragt und Erkenntnis an sich, also Erweiterung des Wissens schlechthin als nicht mehr trag- und bezahlbar darzustellen versucht ....
 

 wildwuchs antwortete am Sa, 21. Okt, 22:07:
die bemerkung, 'und wenn das leben in dieser parallelwelt auch noch vom sozialstaat finanziert wird' ist leider unter den tisch gefallen .....schade. dabei habe ich in meinem beitrag über die 'sozialstaatliche deklassierung' versucht, deutlich zu machen, dass es einen unterschied zwischen theoretisch wissenschaftlichen beschreibungen (zusammenhänge sind komplex und beinhalten keine einfachen wahrheiten ) und populistisch aufbereitetem-fast-food-wissen gibt (dass man weiss, bzw. sich darauf bezieht, dass 'unterschicht' ein übrigens - veralteter soziologischer begriff ist, heisst noch lange nicht, dass man ihn nicht populistisch nutzt!). und wenn man sich dann auch noch allgemein diffamierend äussert (bleiben wir mal bei der wortwahl dieses herrn bolz, der - jedenfalls verstehe ich ihn so, dass 'das LEBEN in dieser Parallelwelt auch noch vom Sozialstaat finanziert wird' (was fällt denen ein!!!! soll die politik das geld lieber der wissenschaft geben.... ). damit bezieht er sich auf ganz bestimmte, mittlerweile in der öffentlichkeit umfassend negativ beschriebene personengruppen, die allerdings nach dem Art. 20 GG („die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ und das Sozialstaatsprinzip ist damit im Grundgesetz als Staatsziel verankert!!!) wie andere menschen dieses landes auch, neben "der Garantie der Menschenwürde auch den der Menschenrechte" geniessen und damit ein recht auf achtung und unterstützung haben.
als ich von ‚schiessscharten in elfenbeintürmen schrieb, meinte ich übrigens genau diese art der 'verwertbarkeit' von wissenschaftlichen ergebnissen - dieses anbiedern und brand stiften auf stammtischniveau. 'mit kanonen auf spatzen schiessen' sagt man im volksmund dazu. spätestens nachdem ich den artikel gelesen hab, hat sich das bild des 'prolls', der den ganzen tag biertrinkend vor der glotze hängt, immer disziplinloser wird und der irgendwann, weil er ja den ganzen tag an nichts anderes mehr gedacht hat, als an Spaß, kaum mehr eine Chance haben wird - "selbst wenn die Rahmenbedingungen dann wieder günstiger wären - zurückzukehren in eine Arbeitswelt, die wohl der einzige Bereich ist, in dem man zu gesellschaftlicher Anerkennung und damit auch zu Menschenwürde gelangen kann."
spätestens bei solchen beschreibungen hat - egal, wer auch immer, den bereich der wissenschaftlichen analyse verlassen. ob solche töne von oben oder von unten, von rechts oder von links kommen, die frage ist? gibt es für niveauvollere äusserungen kein honorar???

apropos in dem verweis auf chomsky geht es nicht, wie du schreibst, um die "Verschiebung von Gewalt aus dem kriminellen Milieu in eine gesellschaftliche Unterschicht" (selbst wenn militärs hauptsächlich – so viel ich weiss - aus der unterschicht rekrutiert werden, versteht man unter einem eintritt ins militär eigentlich einen gesellschaftlichen aufstieg). es geht, wenn du den artikel mal genau liest, vielmehr darum, dass das amerikanische militär zunehmend darin geschult wird, die us-sicherheitsinteressen auf die art und weise zu stabilisieren, dass es ‚sezessionistische bewegungen’ in lateinamerika unterstützt, um einfluss auf regierungen auszuüben und sie zu schwächen – beliebte methoden sind z.b. als counter-guerilla/counter- insurgency/folter… nicht nur als methode der destabilisierung in südamerika. "Der primäre Feind ist die eigene Bevölkerung. Das gilt für alle mir bekannten Regierungen." streetgangs und der 'radikale populismus' in lateinamerika haben eine ähnliche dynamik, wie die bürgerrechtsbewegung sie in amerika hatte. aber das ist ein anderes thema ....

lt. spiegel-online 17.9.06: hat der "Bundesgeschäftsführer und Landesvorsitzende der NPD in Mecklenburg Vorpommern, Stefan Köster" zwar auch vor, sich "nach ihrem Einzug in den Schweriner Landtag für eine Abschaffung der Demokratie nach bundesrepublikanischem Vorbild einsetzen", aber so verwegen *g bin ich nun doch noch nicht, dass ich annehme, dass sie dabei von deutschen (ok. wegen verfassungsdienstlicher unterwanderung konnte man sich bisher noch nicht durchringen, die NPD zu verbieten – unterstützt sie lieber noch mit wahlkampfkostenrückerstattungen usw.) – aber soviel ich weiss, konnten der verfassungsschutzmässigen infiltration bislang weder amerikanische oder sonstwie geartete einflüsse nachgewiesen werden. die einzige connection die die NPD in die USA haben – schlimm genug, da nicht zu unterschätzen - gilt den 'parteifreunden' in amerika .

was mich allerdings nachdenklich stimmt, und deswegen hab ich mich heute morgen an den beitrag über die deklassierung gemacht, sind die sozialpolitischen zustände in diesem unseren lande, die stigmatisierungs- segregations- und diskriminierungsprozesse beinhalten. schuldzuweisungen im zusammenhang mit dem begriff armut/arbeitslosigkeit/HartzIV.... wie sie m.e. auch in so allgemeinen und pauschalen sätzen wie "Menschen, die wenig Selbstdisziplin gelernt haben, und deren Willen entsprechend nicht besonders ausgeprägt ist" enthalten sind. die häufigkeit solcher oder ähnlicher sätze zeigen ein soziales klima an, das gruppen wie der NPD in die hände arbeitet, weil es den grundsätzlichen anspruch jedes menschen, in seiner eigen- und besonderheit geachtet zu werden, aushöhlt und damit ausgrenzung statt integration, chancenlosigkeit statt chancengleichheit, antisoziales statt soziales verhalten fördert 

 wvs antwortete am So, 22. Okt, 00:03:
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß irgendjemand auf die Idee kommt, eine Grundsicherung aus allgemeiner Kasse zu kippen - das Prinzip ist dann doch zu stark in unser aller Köpfe eingewurzelt. Wohl aber - und das erleben wir ja gerade - wird immer wieder die Frage gestellt, was denn zum Leben nötig ist:
Da fehlt es mir am gesellschaftlichen Konsens .... es kann doch nicht nur um "Lebenserhaltung" gehen, Lebensqualität ist aus meiner Sicht die Untergrenze - nur wieviel Geld braucht man dafür?
Die Bereitstellung von Mitteln zu eben dieser grundsätzlichen Sicherung der Bedürftigen (die ja im übrigen während der Zeit, in der sie gearbeitet haben auch Einzahlungen geleistet haben - das wird immer wieder vergessen zu erwähnen!) erfolgt aus meiner Sicht aus den falschen Quellen: Es werden immer wieder jene "Mittelschichtler" herangezogen, die das Geld selbst brauchen könnten, während die "Oberschichtler", die es leicht erübrigen könnten, weitgehend geschont und unterproportional belastet werden ....
Was die Chomsky'sche These angeht verstehe ich das Agieren in fremden Räumen eher als geheime Intervention durch gesondert geschulte und gewissenlose Emporkömmlinge die mit dem Gedanken "Elite" unter den Militärs zu sein geködert werden. Die Masse - und das klingt ja auch an - ist als ungebildete Unterschicht sicher der Meinung es handele sich um eine Aufwertung im sozialen Sinne, wenn man zum Militär geht - diese Luftschlösser zerfließen aber spätestens nach Heimkehr wenn deutlich wird, daß sie eigentlich zu nichts Rechtem gebraucht werden .... solche Personen sind aber intellektuell nicht in der Lage Subversion in dem von Ihnen angesprochenen Sinne zu leisten: Dazu sind diese Menschen einfach zu dumm! [Hier muß angemerkt werden, daß das Bildungsziel der überwiegenden Zahl aller Highschools nicht breite Allgemeinbildung der Absolventen ist, sondern "gute Staatsbürger der U.S.A."]
Ein erklärtes Ziel der U.S.A. war die Umerziehung Europas. Gelungen, wie ich meine - zumindest wenn man die Veränderungen in der - früher ausschließlich heimischen, jetzt global gesteuerten - Geschäftswelt, bei Banken und im internationalen Versicherungswesen sieht: Alles Marketing-gesteuert, der Einzelne zählt [übrigens im Widerspruch zu dem Ausgangspostulat des Gründer-Marketings] nichts, der Profit des produzierenden Unternehmens - und damit der "shareholder" - alles ....
Nochmal zurück zu dem umstrittenen Satz von der Selbstdisziplin:
Ich kann darin beim besten Willen keine Diskriminierung erkennen. Die menschliche Natur ist nun einmal träge - und es bedarf täglich neuer Anstrengung sie zu überwinden.
Für mich heißt der Satz daher:
Wer es nicht durch Vorbild (frühe Prägung) gelernt hat seinen Tag zu strukturieren (mit was auch immer!), der wird es sehr schwer haben in einer Gesellschaft, die genau diese Eigenschaft mit erster Priorität versieht, zu bestehen.
Um es kurz zu sagen: Ich sehe Menschen die sich wissentlich ausgrenzen - und Menschen die ausgegrenzt werden. Nur darf man beide Gruppen nicht über einen Kamm scheren .... Chancenlosigkeit hat mehrere Seiten:
    Zum einen
  • die nicht Leistungsfähigen
  • - zum anderen
  • die nicht Leistungswilligen,
  • und schließlich
  • die Leistungswilligen ohne Chancen zur Umsetzung.
Von außen betrachtet sehen sie sich ähnlich, nur ist es für den Leistungswilligen - der leisten könnte - schwer wenn nichts zur Verfügung steht, wo er dies einbringen könnte. Der andere Fall ist die Unfähigkeit zu leisten - oft wegen mangelnder Qualifikation. Auch hier fehlen entsprechende Angebote einfach strukturierter Arbeit - und da ist uns der typisch deutsche Hang zur Perfektion im Wege ....
Bleiben die Unwilligen, die es zu identifizieren gilt, denn da endet meine Solidarität:
Notwendige Unterstützung für Bedürftige "Ja",
Unterstützung der individuellen Verweigerung "Nein" .... 
   




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06. Sep. 2008, 21:08
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